Physik LK – Gauß

LKPhysikGauss

Die tapferen Krieger/innen waren: linke Seite v.o.n.u.: Carsten Köllmann, Petra Totenhaupt, Thomas Metzmacher, Ingmar Claren, Katrin Paeschke mitte: Herr Gauß rechte Seite v.o.n.u.: Arne G., Christof Roswora, Stefanie Weyand, Arne Kohler, Christian Poschmann

„So gesehen sind wir alle kleine Würmer!!!“

Freitags abends auf einer Fete zu späterer Stunde. Ein einsamer Physik-LK`ler umringt von nicht eingeweihten, unwissenden Banausen. Nach den ersten Getränken lernt man sich näher kennen.

Ein Heide: Hallöchen, Prost! Wie geht’s denn so? Ich habe Dich noch nie hier in der Gegend gesehen. Also ich bin der Joachim.

Held: Ich heiße CISAACKCEPT

Ein Heide: Gehst Du noch zur Schule?

Held: Och ja, nur noch ein bißchen- Endspurt.

Ein Heide: Ich bin schon fertig! Was hast Du denn für LK`s? Held: Physik und …

Ein Heide: Waaas???? Bist Du bekloppt? Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen!

Dieser Dialog ist nicht frei erfunden. Er findet so oder ähnlich bei nahezu jeder flüchtigen Bekanntschaft statt. Denn wir Physiker werden oft vom Rest der Welt, bei dem der Horizont des Machbaren kurz vor Physik aufhört, als anormal bezeichnet.

Um zu beweisen meine lieben Leser, daß diese These auf Sand gebaut ist, präsentieren wir Ihnen den Gaußschen LK, mit den humorvollsten, liebenswertesten, schönsten, intelligentesten, diszipliniertesten, aufnahmefähigsten und begehrtesten Schülern der Welt.(Einen schwarzen Peter gibt es immer.) Schon hier stellen wir fest, daß dieser Satz korrekturbedürftig ist. Unser Maestro Karl Ernst sagte einmal: „Wir sind alle kleine Würmer!“ Das können wir nur auf die relative Körpergröße beziehen. Es ist uns allen aber völlig klar gewesen, was unseren unangefochtenen Maestro der Schule zu diesem Trugschluß verleitete. Wie immer war Karl Ernst völlig in seinem Element. An dieser Stelle ist eine kleine Charakterisierung von ihm notwendig. Einige Beispiele sollen sein Engagement und seinen Spaß an der Physik verdeutlichen.

Ein Besuch im Kinderzimmer des Hauses Gauß. Wir sehen Aufziehautos durch die Gegend fahren, Ü-Ei Frösche mit Saugnäpfen im Zimmer hin- und herspringen, ein Spielzeugschiff in der Badewanne seine Kreise ziehen, Spielfiguren mit Spiralhälsen sowie eine Wippe mit Gewichten im Zimmer verstreut herumstehen und Flummis auf und abhüpfen. Man findet natürlich auch Schlittschuhe, Bowlingkugeln und eine Radwanderkarte zum schönen Fühlinger See. Doch das ist noch lange nicht alles, die Mechanik hat noch viel mehr zu bieten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Schienenfahrzeug für den elastischen Stoß und eine oszillierende Schlange für die stehende Welle? Eine soundgesteuerte Profi-Multi-Discoanlage für die, die … naja, auf jeden Fall für den Spaß der Schüler. Dies alles darf in einem so physikalisch gut ausgestatteten Haus nicht fehlen.

So, genug des Lobes. Zurück zum wichtigsten Punkt des Textes- WIR.

Wo fangen wir nun an? Beim Gruppenzusammenhalt? Das könnte lange dauern. Bei der Kursgröße? Sie wurde schnell auf zehn reduziert. (Elitekurse sind halt so klein!!!!) Um alle Faktoren für einen genauen Bericht auf einen Nenner zu bringen, präsentieren wir eine exemplarische Doppelstunde unserer berühmt berüchtigten und eingeschworenen Gemeinschaft.

Ein Genosse trifft mit seinem Aktentäschchen vor dem Raum 139 ein. Kurz darauf stößt ein weiteres Mitglied der Gesellschaft auf ihn. Ein knappes Gespräch läßt sich wahrnehmen, ein gegenseitiges „Morgen“ schallt durch die Luft. Das erste Klingeln zur Fünf-Minuten Pause durchbricht die Ruhe. Weitere Gestalten nähern sich. Schließlich ist auch ein gewisser Herr zu sehen, der sich mit seinem Schlüssel seinen Weg durch die Schülermassen bahnt. Der Unterricht sollte nun beginnen. Zuerst kommt jedoch noch der allseits beliebte, von Christian S. gestiftete, Clown zum Eisatz. Karl Ernst stopft artig sein „Bußgeld für Zuspätkommen“ in den Clown- er ist die kurseigene Sparbüchse. Ein Schüler erscheint in der Tür: „Sorry, aber Lützenkichen ist voll weit weg, und der Bus ey hatte voll den Crash und ich war mittendrin. Super Scheiße“. Der Schüler kramt aus seiner Jackentasche pflichtbewußt seine Zuspät-komm-Groschen.

Der Unterricht beginnt. Ein Schüler in der ersten Reihe zeigt hektisch auf. „Herr Gauß! Ich habe neulich im Fernsehen eine interessanten Bericht über die relativen Größenverhältnisse des Universums gesehen. Dort wurde metaphorisch dessen Größe veranschaulicht. Beispielsweise wurden dort die Wege im Haus mit denen im Universum verglichen. Das Aufstehen aus dem Bett gleicht der Grenze der Galaxie, der Weg vom Bettvorleger zum Badezimmer gleicht dem Weg zur nächsten Galaxie, der Weg vom Hausflur zur Schwelle gleicht dem Weg zum nächsten Galaxienhaufen, die Strecke von der Schwelle zum Gartentürchen gleicht der Strecke zum Galaxienberg und letztlich gleicht der Weg zur Straße dem Weg zum nächsten Universum.“ Dazu der Kommentar unseres Lehrmeisters: „Da kann man mal sehen, was wir für kleine Würmer sind.“ Ein heftiges Klopfen unterbricht den auf seinen interessierten Schüler stolzen Maestro. Die Tür wird geöffnet und eine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisende Baumbergerin erscheint mit leicht feuchten Haaren. „T`schuldigung, aber der Bus kam zu spät.“ Der Kurs schreit „ZAHLEN!“ Keine Reaktion der Verspäteten. Leichte Unmutsäußerungen des Kurses. Es ist ein dumpfes „Killer Alter! Die zahlt nie!“ zu hören.

Karl Ernst drängt etwas angsäuert darauf fortzufahren. Eine einzelne Meldung beginnt mit den Worten „Da bin ich aber ganz anderer Meinung. Mal angenommen, Du solltest etwas von dem verstanden haben, was der Sprecher im Fernsehen erzählt hat, was hat das dann mit der Zeitdilatation zu tun? Und war das Ganze eigentlich nachgewiesen oder ist das wieder eine abstruse Theorie irgendeines dahergelaufenen Möchtegernphysikers?“ Ein leiser Einwurf. „Ist doch Piep-Schnurz-Egal, ob es Theorie oder Praxis ist, Du verstehst es ja doch nicht, und wenn es im Fernsehen kommt muß es jawohl stimmen. Das war mal wieder eine unqualifizierte Bemerkung von Dir. Was ist das für ein Niveau, wir sind ein LK!“ Der Konterspruch läßt nicht lange auf sich warten. „Mal wieder typisch, daß die beiden Physik-Banausen zusammenhalten. Aber etwas Sinnvolles vom rechten Flügel ist man sowieso nicht gewohnt!“ Das provoziert wieder einen Gegenangriff. „Das sagt der Richtige. Will mich kritisieren, obwohl er selber ein wenig mehr Zeit als gewöhnliche Menschen in der Fahrschule verbringt, oder?“ „Buchstabier mir mal gerade funktionsfähiges elektronisches Gerät! Z.B. Personal Computer, verehrte Kollegin.“

Karl Ernst: „Der Herr auf der linken Seite bitte: Was habe ich gerade gesagt?“ „Ähh, öhh!“Ein Lacher von der anderen Seite schallt zu seinen Ohren.

Der Ernst des Physikunterrichts beginnt. Zeitdilatation ist das Thema. Nach einigen Klärungen soll eine Aufgabe im Buch gerechnet werden. Die recht Seite richtet den Blick auf das äußere Ende des Tisches. „Du hast doch sicher Dein Buch mit.“ Hilfsbereit schiebt der Mitschüler das Buch in die Mitte des Tisches und erklärt einige Unklarheiten. Taschenrechner werden gezückt und die Ergebnisse in den Raum gebrüllt. Die absolut technikfeindliche Mädchenriege beschwert sich lauthals über nicht funktionsfähige Taschenrechner. Der Schnellrechner Nr. 1 holt seine Butterbrote aus der Tasche und entdeckt dabei fatalerweise ein nicht sehr physikalisches Bild auf dem Rechner des Vordermannes. Leichtes Tuscheln zwischen den beiden. „Laß mich mal Poker spielen!“ „Nein, erst wenn ich fertig bin.“ „Doch, ich will jetzt.“ Eine kleine Zerreißprobe des Pullovers wird durchgeführt. Die Lage spitzt sich zu, doch zum Glück rettet der Lehrkörper die Situation. Er will endlich die Ergebnisse hören. Das Ergebnis ist wunderbarerweise 1, manche beharren jedoch kurzfristig auf der Schreibweise Wurzel 1! Das Mißverständnis wird schnell aus dem Weg geräumt und die Musterlösung ins Heft kopiert.

Der Gong.

Eine Schülerin rennt raus und begrüßt ach wie freundschaftlich andere Mitschülerinnen. Der neueste Stufenklatsch wird ausgetauscht und verbreitet. Wer die Schülerin noch nicht auf dem Flur wahrgenommen hat, wird spätestens jetzt durch ihre Lache erinnert. Währenddessen beseitigt der übliche Small-talk zwischen Lehrkörper und einer Schülerin letzte Verständnisprobleme mit dem Stoff.

Gong.

Der Raum füllt sich; ein Platz bleibt jedoch unbesetzt. Der vermißte Schüler befindet sich noch auf einer Privatexkursion im Mittelstufentrakt, um sich vom tristen Schulalltag abzulenken. Bald klopft es jedoch energisch an der Tür. Die Schülerin mit den mittlerweile trockenen Haaren meldet sich sofort zu Wort und kreischt „Das macht eine Mark und fünfzehn. Du hast zwei Minuten und zwanzig Sekunden gefehlt.“ Genervt zahlt der verspätete Schüler. Wieder ertönt ein dumpfer Kommentar: „Killer Alter, wie dreist!“ Lineale und Bücher kreisen zielstrebig durch die Luft.

Karl Ernst: „Ich verstehe das nicht. Bei euch ist der Lärmpegel umgekehrt proportional zur Kursgröße. So eine kleiner Kurs und so viel Lärm.“ Ein Schüler meldet sich zaghaft zu Wort um mitzuteilen, daß er einen Geburtstagskuchen auszuteilen gedenkt. Strahlende Augen blicken ihn an. Selbst der Lehrkörper ist nicht abgeneigt und ein Arbeitsfrühstück wird eingeschoben.

Der normale Unterricht beginnt erneut. Nach einiger Zeit wird er jedoch wiederum durch eine kleine Rangelei aufgrund akuten Platzmangels im linken Flügel gestört. Das Unvermeidbare geschieht. Die neu geöffnete Müller Erdbeermilch ergießt sich über ein Physik Heft. Plötzliche Hektik erfüllt den Raum; man versucht zu retten, was zu retten ist. Ein neuerlicher Anlaß für unseren Lehrmeister auf seine Eß- und Trinkphobie während des Unterrichtes hinzuweisen.

Aufgrund der vorangeschrittenen Zeit wird jetzt wirklich hart gearbeitet. Das können wir nämlich auch. Zur Freude unseres Lehrmeisters erfüllen wir auch diesmal die Mission, alle angepeilten Lehrinhalte werden vermittelt.

Da wir die uns zur Verfügung stehende Seitenkapazität nun leider überschritten haben, müssen wir diesen außerordentlich interessanten und durchaus noch ausbaufähigen Bericht abrupt beenden.

Alle, nein fast alle Schüler verlassen den Raum. Wieder einmal ist die Synthese aus Wissensvermittlung und erheiterndem Schauspiel gelungen. Ein dreifaches Hipp- Hipp- Hurra auf den Zirkus CISAACKCEPT und den mutigen Dompteur, der uns immer auf die richtige Weise zu bändigen wußte. Unser Auftritt hier auf der Gastbühne des OHG war ein voller Erfolg. Wir haben uns wohlgefühlt und kommen vielleicht für einen Gastauftritt mal wieder.

Katrin P. und Arne G.

Lehrerartikel

Physik-LKI

Zehn in einem LK, einen so kleinen Kurs habe ich nicht alle Jahrgänge. Man kann dann so intensiv arbeiten, daß statt sechs Stunden die Woche fünf ausreichen sollten, was allerdings nicht immer ganz zutraf. Die Atmosphäre war angenehm und entspannt, wir kannten uns ja im Laufe der Zeit gegenseitig recht gut.

Auf nur drei Sitzreihen konzentrierten sich die Physik-LKler. Aus der linken hinteren Reihe erklang immer wieder ein durchdringendes, herzerfrischendes Lachen. Leider habe ich nie herausgefunden, ob dies mit der Physik oder doch eher mit der männlichen Umgebung zu tun hatte. Hier saßen auch wahre Könner ihres Faches: so versuchte eine Schülerin, mir die Grundbegriffe des Ruderns beizubringen. Die Nachbarin mußte mit ihrem guten Gehör schon mal beim Stimmen von Saxophonen behiflich sein. In der Reihe befanden sich auch der Fachmann für Flugzeuge und verwandte Themen sowie das Mitglied einer sportlichen Europa(!)auswahl.

In der 3-Reihe davor war eine typische 1, 2-Verteilung zu erkennen. Während Links außen – er kannte meinen Schlüsselbund zum Schluß recht gut – das „Welle oder Teilchen“ Problem nach heftiger Diskussion schließlich mit philosophischer Gelassenheit hinnahm, hatte das gemischte Duo daneben schon mal nicht physikalische Sachverhalte zu erörtern. Es wurden aber auch vom Computer ausgedruckte bzw. in vorbildlicher Reinschrift angefertigte Hausaufgaben vorgelegt. Ferner befand sich hier die sekundengenaue Abrechnungsstelle für Zuspätkommende; allerdings gab es zum Ende hin Abnutzungserscheinungen, da die dafür zuständige Schülerin selbst Probleme bekam.

Der gesamte rechte Flügel des Kurses bestand aus einem männlichen Trio. Einer ärgerte sich gewaltig , wenn auf der Klausur nur eine Eins Minus stand. Imponierend war seine Konsequenz, unnötige Geldausgaben zu vermeiden: um bei einer Exkursion 1DM für die Fähre einzusparen , nahm er lieber 10km Umweg auf sich. Einer war sehr durstig. Nach der großen Pause packte er häufig eine große Tüte Kakao aus, anschließend ergab sich dann manch erfrischender Beitrag. Mit dem Dritten in der Reihe, meist ernst und kritisch dreinblickend, beredete man eine Frage erst einmal untereinander, bevor man sich dann zu einer Antwort entschloß.

Auch die Kurstreffen werde ich in guter Erinnerung behalten. Sie verliefen immer sehr sportlich. So mußte ich aufs Eis, wurde dafür aber durch gekonnte Darbietungen entschädigt. Insbesondes eine 1800-Drehung mit angewinkelten Beinen war ganz hervorragend. Das geplante Tanzen fand allerdings nicht statt, obwohl uns auf diesem Gebiet ein Könner zur Verfügung stand, der uns sicher die richtigen Schritte beigebracht hätte.

Mehrere Exkursionen haben wir erfolgreich unternommen. Zum Glück habt ihr mir nicht übelgenommen und mit großer Gelassenheit akzeptiert, als wir an einem Montag(!) vor dem geschlossenen Museum standen.

Beeindruckend war auch eure Fantasie, mit der ihr physikalische Formeln und Regeln durch elegante Buchstabenkombinationen, die meist an einen Sportverein erinnerten, abgekürzt habt. Mathematische Probleme wurden gelegentlich auf unorthodoxe Weise bereinigt oder umgangen. Aber um keinen falschen Eindruck zu erwecken, insgesamt wart ihr ein guter und obwohl nur zehn, ein starker Physikkurs.

Viel Erfolg für die Zukunft, hoffentlich mit aber auch ohne Physik!

(K.E.Gauß)